Würdigungen, Nachrufe und Erinnerungen

Auf dieser Seite sammeln wir Würdigungen, Nachrufe und Erinnerungen zum Tod von Silke Helfrich. Wenn ihr selbst eure Erinnerung an Silke aufschreiben möchtet, schickt sie gerne an silke ät commons-institut.org. Sofern ihr nichts anderes erwähnt, gehen wir davon aus, dass wir euren Text hier veröffentlichen können.

On this page we collect tributes, obituaries and memories on the death of Silke Helfrich. If you would like to write down your own memory of Silke, please send it to silke ät commons-institut.org. Unless you mention otherwise, we assume that we can publish your text here.

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anstiftung

Menschen – people

Silke vereinte für mich alles, was einen bewunderungswürdigen Menschen ausmacht. Selbstdrangabe mit allen Kräften, Visionskraft, Beharrlichkeit, Sympathie, Empathie, Zielstrebigkeit, Umsicht, realistisches Bild von den Sie umgebenden Menschen, Liebe und Herzlichkeit, helfende Hand und Wort, Verbindung und Unaufdringlichkeit – und vor allem ein mitreißend frohes Wesen.

Wenn ich mit einem Bauchgefühl und unklaren Sätzen mich äußerte, hat sie sofort den Kern und die Relevanz des Themas oder Problems erkannt und für sich selbst aufgenommen und formuliert – ich war verstanden.

Silke hat in unsere Utopie von der Welt zu den ingenieurmäßigen Konstruktionen des Knochengerüsts das Fleisch, die Muskeln und vor allem aber Herz und Seele beigetan.

Mit Herz und Seele ist sie selbst den Menschen begegnet. Zwar sah sie feindliche Umstände – ob sie irgendwelche Menschen als Feinde sah, kann ich mir nicht vorstellen.

Horst

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Es wird uns in Zukunft leider verwehrt bleiben, in einen unmittelbaren Austausch mit Silke zu gehen, um mit ihr über Commons, Gesellschaft und „Gott und die Welt“ zu sprechen und uns an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz sowie von ihrer visionären Kraft bereichern und inspirieren zu lassen. Doch uns bleibt letztlich doch auch viel mehr als ihre Texte, Bücher und eine Vielzahl noch nicht abgeschlossener Projekte: Silke ist durch ihre Arbeit und ihr Tun zu einem Bestandteil von uns allen geworden, die sich mit der Commons-Idee eng verbunden fühlen. Auf diese Weise wird sie vielleicht gar ewig weiterleben und auch in Zukunft an der Verwandlung unserer Welt aktiv mitwirken.

Ich möchte an dieser Stelle allen Angehörigen und Freunden mein tiefes Mitgefühl aussprechen und teile die Trauer, die sie gewiss empfinden. Auch Dank an alle, die sich um das kümmern, was gerade getan werden will und muss. Darüber hinaus nehme ich mir persönlich vor, den Weg in eine noch lebenswertere Zukunft, den Silke uns angedeutet hat, im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter zu gehen und Commons nach Kräften in die Welt zu tragen.

Christian

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Silkes Tod erfüllt uns mit großem Schmerz.

Wir haben mit ihr gemeinsame Veranstaltungen gemacht und an einem Grundauscommon für Commoners gearbeitet. Im Sommer hat sie uns in Bremen besucht. Durch ihre kluge und herzliche Art hat sie nicht nur unsere Wertschätzung, sondern auch unsere Herzen gewonnen. Wir freuten uns über die geknüpften Bande und auf eine spannende gemeinsame Zukunft. Und jetzt wurde sie dem Leben und damit auch uns entrissen.

Uns erreichte die Nachricht während unseres Plenums. Wir waren gemeinsam geschockt und entzündeten eine Kerze für sie. Einige weinten und nehmen sich nun Zeit, um das Geschehene alleine und in Gesprächen zu verdauen.

Till und Chris und die Aktiven vom Bremer SolidarStrom & Café Sunshine

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Einmal saß ich mit Silke nach einem Workshop in einer Tram in Potsdam, wo sie urplötzlich auf eine Idee kam, die unbedingt noch in Frei, fair und lebendig sollte, das bald erschien. Die Sätze sprudelten nur so aus ihr heraus und ich konnte nicht mehr als ihr staunend zu folgen. Ich denke oft an diesen Moment zurück, denn er hat mir gezeigt, wie die richtige Atmosphäre, die richtigen Voraussetzungen, das Schönste aus uns hervorbringen können – und dass es richtig ist, solche Geistesblitze zuzulassen und zu teilen. Silkes Schriften werden so wichtig für uns bleiben, und ich konnte so viel aus ihnen lernen, aber ihre Art war es, die mich erst wirklich inspirierte.

Paul

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Wir sind alle ein „Ich-in-Bezogenheit“, wie Silke gerne sagte. Selten habe ich das so deutlich gespürt wie jetzt. Und noch nie mit einer so tiefen, erschütternden Trauer verbunden. 

An der Commons-Sommerschule durfte ich ihre unfassbare Fähigkeit erleben, geistige Räume zu öffnen und zu halten. Silke ermöglichte mir, die für mich neue geistige Welt der Commons zu entdecken und prägte ganz wesentlich meinen Lebensweg mit.

Silke beherrschte die Fähigkeit “schöpferisch zuzuhören” wie keine Andere. Durch ihr Zuhören wurde die Qualität des Gesagten gesteigert. Silke als Gesprächspartnerin war wie ein Resonanzkörper, der das Gesagte in die Sprache der Commons verwandeln konnte. Jede Begegnung mit ihr war für mich mit der erwartungsvollen Freude auf ein geistiges Feuerwerk verbunden. Es war immer etwas Magisches mit Silke zu sprechen, denn aus den Gesprächen entstanden nicht nur Ideen, sondern greifbar Neues – neue Worte, neue Initiativen, neue geistige Gestalten. 

Sie hat die geistige Welt der Commons durchdrungen wie ein Myzel einen fruchtbaren Mutterboden. Die Ideen, die durch sie und mit ihr entstanden, schossen wie Pilze aus diesem Boden und verbreiteten ihre Commons-Samen.

Dass Silke nun nicht mehr unter uns ist, hinterlässt eine unbegreiflich große Leere in der Welt der Commons und in den Herzen sehr vieler Menschen. Sie war mir eine Mentorin und Vorbild. Ich werde sie vermissen. 

In mir und vielen anderen Menschen, die das Glück hatten Silke zu begegnen, lebt sie weiter. 

Thomas

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Voller Trauer erfahre ich vom Tod von Silke Helfrich. Ich habe sie als Studentin und Mitarbeiterin an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung kennen- und schätzen gelernt: eine ungemein reife Person, mit ernsthaften Anliegen und der Fähigkeit, Themen grundsätzlich durchzudenken, engagiert Position zu beziehen und ungemein beherzt anzugehen. Liebe Silke, Du gehst uns ab!

Walter Ötsch, Professur für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung Koblenz

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Wir trauern um Silke Helfrich. Ihr Anliegen, gemeinsam mit Vielen die Grundlagen für eine lebenswerte Zukunft zu suchen, hat uns mitgerissen. Wir sind dankbar, dass sie uns ihre Bücher anvertraut hat, in denen ihr Werk fortbesteht und weiter wirken wird. Ihr Engagement, ihre Mitmenschlichkeit und ihre Kreativität haben uns inspiriert. Wir werden den produktiven Austausch mit ihr und ihre wunderbare Art vermissen und bewahren uns die Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Unsere Gedanken sind bei ihren Lieben.

Roswitha Gost und Karin Werner sowie das Team des transcript Verlags

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Verwoben und verbunden…

…sind die ersten Worte, die mir zu Silke einfallen. Wir haben diese große Pilzvernarrtheit geteilt und oft über Commons als Fruchtkörper, Commoning als Mycel gesprochen. Im Gespräch darüber hat sie vor Lebendigkeit nur so gesprudelt.

Im ersten Schock über Silkes Tod ist mir klargeworden, wie viele Teile, Projekte, Vorhaben meines Lebens mit Silke verbunden sind. Manchmal ganz unmittelbar, weil wir sie für nächstes Jahr geplant hatten. Aber auch weniger direkt. Zu wissen, Silke ist da, mit ihrem Mut, ihrer Berührbarkeit, ihrem Wissen, ihrer Herzlichkeit, ihren Kontakten, ihrer Lust am Welt verändern hat es mir so viel leichter gemacht, mich selbst zu trauen, Unkonventionelles zu denken und anzupacken. Silke Backstage zu wissen, hat mir so viel bedeutet.

Wie vielen Menschen muss es so gehen, dass sie jetzt lose Fäden in der Hand halten? Silke hatte noch so viel vor. Wer weiß, wen von uns sie noch alles vernetzt hätte die nächsten Jahre? Silkes Zusammenweben von Menschen verdanke ich Freundschaften, die mir viel bedeuten.

Dieses Verwoben-Sein wird so deutlich im Schmerz, den ich empfinde, um Silkes Abschied. Sie fehlt, an allen Ecken und Fadenenden. Und in der Mitte.

Dieses Verwoben-Sein ist gleichzeitig die Kraft, die Commoning ausmacht und die ich jetzt erfahren kann im Zusammen-Sein mit anderen Menschen, die ebenfalls mit Silke verbunden sind. Ich wünsche mir, dass wir die losen Fadenenden aufnehmen, neu verknüpfen, zusammenfrickeln. Uns trauen klar und humorvoll, berühr- und streitbar, fühldenkend und probehandelnd für eine Welt in Verbundenheit einzustehen.

Sigi

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Wie alle bin ich schrecklich bestürzt und tief traurig über Silkes plötzlichen Tod.

Auch wenn mein Kontakt zu Silke immer nur kurz war, so war er immer herzlich, intensiv, spannend, begeisternd, anregend. Selten habe ich Menschen getroffen, von denen man in so kurzer Zeit so viel lernen konnte, sich so verstanden und akzeptiert fühlte, und sich auch noch gut dabei fühlte. Es war unheimlich beeindruckend, wie belesen und völlig uneitel sie war, wie gut sie Gruppen organisieren und begeistern konnte.

Ich war durch mein kleines Kind in letzter Zeit nur noch passiv am Commons-Institut beteiligt. Aber mir genügte erstmal die Aussicht, irgendwann wieder beim Herbsttreffen dabei zu sein und Silke wieder zu sehen. Darauf hatte ich ich so gefreut.

Ich versuche mich damit zu trösten, dass das was sie in ihren 54 Jahren alles ins Rollen gebracht hat, wahrscheinlich für fünf, ach was, zehn Menschenleben gereicht hätte. Oder dass es ja schon toll war, sie überhaupt kennengelernt zu haben. Oder dass ihre letzten Stunden in den Bergen glücklich waren, und sie hoffentlich ohne Schmerz, Siechtum oder Krankheit gehen konnte. Es funktioniert nicht gut.

Silkes Visionen werden uns immer begleiten, und die Commons sind so wichtig, und wir werden auch ohne Silke weiter daran arbeiten, wir müssen. Aber mit ihr zusammen war es so viel schöner.

Lisa

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Wir haben uns nie kennengelernt, sind uns nie begegnet und doch hat mich aus deinen Büchern so viel angesprochen. Ich habe dieses Wissen gespürt und fühlte auch eine Weltsicht geteilt auch aus meiner eigenen Zeit in Süd-Mexiko heraus mit Themen der Communalidad.

Ich bin so dankbar für deine Gedanken, für dein Werk und auch für die Berührung. Denn am Ende ist das passiert. Wenn ich die Nachrufe lese, merke ich, wie wohl der Mensch, der hinter diesen Buchstaben steckt, so sehr auch diese Idee verkörperte mit der ganzen Herzlichkeit. Das flimmert nur so aus den Texten heraus. In tiefer Dankbarkeit und der Hoffnung, dass wir nur umso ernsthafter und liebevoller in Gedenken an dich weiterschreiten und tun.

Mambo, Pödelwitz

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(Commons are) The beginning of history
Or Overcoming The End of History (Fukuyama, 1989)

Dear Silke,

your labor of passion is not unfinished,
your heartbeat can not be suppressed, 
the boundaries you have weaved interweave on and on.

The beeings you have met, heard, seen and impressed go on with your influence in their mind and soul.

Together with you, we will overcome the End of History.

Sincerely yours,

Mia 

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Dank Silke bin ich zu den Commons gekommen. Ich war damals von der Seite der Heinrich Böll Stiftung verantwortlich, ihre Salons und das erste Buch mit Bollier zu begleiten. Am Anfang habe ich kaum etwas verstanden, es hat sehr viel Horizonterweiterung gebraucht, um mich in die Gedankenwelt der Commons komplett hineinzudenken. Ihr Enthusiasmus und aber auch ihre Geduld haben mich dazu gebracht, hier immer begeisteter zu werden. So begeistert, dass ich meine Doktorarbeit dann dem Zusammendenken von Commonstheorien mit der feministischen politischen Ökologie widmete. Ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie mich auf diesen Weg gebracht hat – der nun meine Art und Weise, die Welt zu sehen, stark prägt. Am Meisten in meinen Gedanken bleibt aber nicht nur ihr besonderer intellektueller Blick auf die Welt, sondern ihre Attitüde und ihr Rat, in dem Herz, Moral und Gemeinwohl stets vor karrieristischem Handeln standen. So sagte sie mir einmal, als ich vor einer fordernden beruflichen Entscheidung stand, dass ich einfach mit Ehrlichkeit meinem Herzen folgen sollte. So simple but so true! Auch hier hatte sie mehr als Recht und hat mir sehr geholfen! Mein herzliches Beileid an ihre Familie. Mögen Sie die Inspiration, die Silke in die Welt gebracht hat, auch in ihrem Herzen tragen und sich davon in ihrer Trauer streicheln lassen.

Jill Philine Blau

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Ich lernte Silke als (Mit-)Übersetzerin von „Frei, fair und lebendig“ und den beiden Commons-Anthologien kennen. Das waren wirklich Schokoladenprojekte! Spannend in der Denkweise, plastisch beschriebene Beispiele von Commons aller Art (wirklich aller Art!), Themen von der Matsutakepilzernte bis hin zur Finanzialisierung, vom sozialen Leben des Commoning bis hin zur Rechtsgeschichte seit dem Altertum.

Silke und ich führten stundenlange Telefonate, um zentrale Begriffe, Bezeichnungen der Muster etc. ins Englische bzw. ins Deutsche zu bringen. Wir suchten dabei nach inhaltlich präzisen und sprachlich ansprechenden Begriffen, die auch unmittelbar verständlich sind – wobei eines der Probleme der Commons ist, dass es in unserer heutigen Sprache für viele der Konzepte keine Wörter gibt. Wir diskutierten in offener, produktiver Atmosphäre, in der wir beide alle möglichen Einfälle einbrachten, ohne Angst vor Kritik, weil’s halt noch nicht perfekt war. Im Gegenteil: häufig stellte sich später heraus, dass doch eine hilfreiche Idee dabei war. Wie wir gerungen (und unterwegs auch gelacht) haben, um beispielsweise „Nested I“ ins Deutsche zu bringen, und schließlich bei „Ich-in-Bezogenheit“ gelandet sind. (Hat jemand eine bessere Idee für „Beziehungshaftigkeit des Habens“? Ist ja korrekt, rollt einem aber nicht so von der Zunge …)

Silke hat es vorgelebt, ganz selbstverständlich: Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie.

Ich habe so unglaublich viel von Silke gelernt. Es war ein Geschenk, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Sandra Lustig

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In Kalifornien bekam ich verspätet die niederschmetternde Nachricht von Silkes Tod – in den Bergen im November. Lässt mich nicht mehr los. Silke – sie um viele Jahre jünger als ich – habe ich für meine persönliche und wissenschaftliche Entwicklung vieles, vielleicht Entscheidendes zu verdanken. Die Kontakte begannen Anfang 2000 im Kontext der Anstrengungen in der HBS, Antworten auf die Frage zu finden „Wem gehört Wissen?“ Da tauchten in der Diskussion auf einmal als große politische, ökonomische, soziale und ethische Herausforderung die Commons auf. Silke hatte da schon erste Antworten gegeben, in erster Linie mit Blick auf die natürlichen und sozialen Gemeingüter/Commons. Aber das Potenzial für die immateriellen Güter, sie auch unter dem Konzept der Commons zu behandeln, war da.

Diese Erweiterung der Commons-Diskussion spiegelte sich in der von der Heinrich-Böll-Stiftung 2010 herausgegebenen ausführlichen Broschüre „Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen“ von Silke Helfrich und Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und Christian Siefkes wider. Unvergesslich für mich, wie Silke es bei den vielen Besprechungen für diesen Text verstand, ihre Integrationsoffensiven gegenüber den doch sehr verschiedenen Autoren durchzusetzen. Sie wollte diesen Text unbedingt. Und das setzte sich immer wieder bei ihren dann folgenden Werken, Meilensteine der Commons-Literatur, fort.

Ihre Energie war schier unerschöpflich, die Prinzipen der Commons in theoretischer Hinsicht weiterzuentwickeln und zu versuchen, die politischen Akteure davon zu überzeugen, dass die Integration dieser Prinzipen in politisches Handeln in so gut wie allen Politikbereichen zu besseren und gerechteren Lösungen führen sollte. Daran ist noch viel zu arbeiten.

Mit Silkes Tod verlieren wir eine Person, die sich mit aller Leidenschaft gegen ungerechte Verteilung der Ressourcen in der Welt empören konnte; es aber nicht dabei beließ. Sie suchte mit ihrem großem Talent, Netzwerke und Koalitionen zu bilden und einzelne Personen in diese einzubeziehen, nach Lösungen für eine Ökonomie und Politik der Commons. Sie entwickelte diese und unternahm es, sie in die wissenschaftliche, politische und öffentliche Debatte einzubringen. Es wird durch Silkes Tod nicht aufhören. Sie hat ihr Feld gut bestellt. Viele werden in ihrem Sinne dafür sorgen, dass die Diskussion und das Commons-Handeln nicht aufhört, auch wenn die zentrale Integrationsfigur nun nicht mehr da ist.

Rainer Kuhlen, Professor für Informationswissenschaft an der Universität Konstanz

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Ich kenne Silke ziemlich genau 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert. Wir trafen uns das erste Mal 1996 auf einem Bainstorming der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, deren Geschäftsführerin sie damals war. Es ging um einen „grünen“ Ansatz zum Kulturstadtjahr Weimar 1999, und da mein Vorschlag einer Veranstaltungsreihe zu den „kulturellen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung“ auf fruchtbaren Boden fiel, hatten wir in den Folgejahren oft miteinander zu tun. Auch als sie dann nach Mittelamerika ging, ist unser Kontakt nie ganz abgerissen. Am Ende dieser Zeit, ich denke, es war 2007, hat sie mich dann zum ersten Mal mit dem Thema Commons konfrontiert. Ich fand das damals nicht uninteressant, aber es war auch irgendwie weit weg.

Wir haben uns dann immer mal wieder zu gemeinsamen Unternehmungen getroffen, zum Wandern, zum Singen, zum Reden. In größeren Abständen, die dann aber 2011 plötzlich ganz eng wurden: In Silke reifte die Idee einer Commons-Sommerschule, und sie fragte mich um Rat: Wo könnte man so eine Sommerschule durchführen, in welchen Formaten, wie finanzieren? Ich erinnere mich noch gut, wie wir an einem sonnigen Tag durch Kleingärten hoch über Jena wanderten und uns an der Frage festgebissen hatten, dass eine Teilnahme nicht am Geld scheitern dürfte und auch einfaches Zelten möglich sein sollte. Womit sofort alle etablierten Bildungsorte von Jugendbildungsstätten bis hin zur Evangelischen Akademie ausschieden. Und wie Silke dann plötzlich sagte: Warum machen wir es denn nicht einfach bei dir auf dem Hof? Und so geschah es dann, 2012 fand die erste Sommerschule in Bechstedt statt, mit weit reichenden Folgen, und ihr folgten bis zum vergangenen Sommer noch sechs weitere.

Und 2022 sollte es weiter gehen. Wenngleich Silke immer mal wieder überlegt hatte, sich aus diesem Projekt zurück zu ziehen, zugunsten einer Europäischen (Wander-)Sommerschule, hatten wir schon mit ersten Planungen begonnen und den Termin festgelegt: vom 18. bis 25. Juni sollte es sein. Noch überwiegen Trauer und Schmerz, aber es schiebt sich unüberhörbar die Frage dazwischen: Was machen wir mit diesem Möglichkeitsraum, der – wie die taz sehr schön geschrieben hat – zu Silkes Lieblingsprojekten gehörte? Eine Sommerschule ohne Silke ist schwer vorstellbar, einerseits. Andererseits wäre es aber eine wichtige Chance, Silkes Vermächtnis weiter zu geben. Vielleicht bildet sich ja aus der Commons Community eine Gruppe, die das inhaltlich und organisatorisch tragen kann? Unser Ort steht jedenfalls dafür bereit, 2022 und gern auch darüber hinaus.

Burkhardt

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Am 10. November 2021 verunglückte Silke Helfrich tödlich bei einer Bergwanderung. Dies ist ein schrecklicher Verlust auch für die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Über viele Jahre waren wir ihr verbunden und verdanken ihr, dass sie mehr als jede andere der internationalen Forschung, der globalen Bewegung für die Commons auch in der Bundesrepublik eine Heimat gegeben hat. Sie suchte zur Lösung der ungeheuren sozialen, ökologischen und menschlichen Probleme nach einer Alternative jenseits der kapitalistischen Marktwirtschaft und zentralistisch-administrativer Planung und fand sie in dem Einsatz für die Gemeingüter und die Sorge um sie im Commoning – der lebendigen Praxis der Entwicklung dieser Güter in freien Assoziationen. Ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Mexiko vor allem, ihre enge Beziehung zu dem Workshop der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom in Bloomington (USA), der Aufbau der Commons Strategy Group mit David Bollier und Michel Bauwens, die Gründung des Commons-Instituts 2014 als wichtiger Knotenpunkt im globalen Netzwerk derer, die sich wissenschaftlich und praktisch für das Commoning einsetzen, sind nur einige der Stationen auf ihrem Weg.

Von den vielen Publikationen Silke Helfrichs sei das letzte Buch, das sie gemeinsam mit David Bollier herausgab, vor allem empfohlen: „Frei, Fair und Lebendig: Die Macht der Commons“, 2019 im transcript Verlag erschienen. Was wie ein weiterer Meilenstein auf dem so ungeheuer lebendigen, inspirierenden und immer neu aufbrechenden Suchprozess Silke Helfrichs erschien, ist jetzt Teil ihres Vermächtnisses. In diesem Werk hat sie grundlegende Muster des Commoning auf den Punkt gebracht, mit denen es möglich sein kann, die Gemeingüter eines guten, eines reichen, eines solidarischen Lebens zu entwickeln. Und was könnte dringender sein als genau dies, um in den Kommunen und Städten, in neuen Ansätzen des Sorgens und Entwickelns selbstbestimmte Alternativen zu schaffen.

Silke Helfrich wird uns auf diesem Wege sehr fehlen.

Michael Brie, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Viele Menschen leben überwiegend in der Vergangenheit.
Einige Menschen schaffen es, vor allem in der Gegenwart zu leben.
Sehr wenige leben in einer positiv imaginierten Zukunft.
Silke war eine dieser wenigen.

Dass durch ihren Tod nun auch noch eine der ohnehin schon wenigen fehlt, kann uns verzweifeln lassen.
Aber Silke hat nicht für sich allein über die Zukunft nachgedacht und -gefühlt.
Sie wirkte in der Welt und in die Welt – nicht nur ab und zu, sondern immer und überall.
Dadurch hat sie unzählbar viele Menschen inspiriert, impulsiert und mitgenommen.
So wurden durch sie in den letzten Jahren aus den wenigen viele mehr.
Unsere Welt ist durch sie besser geworden.
Jetzt sind wir gefragt.

Georg

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Ich habe Silke auf mehreren Veranstaltungen kennengelernt. Darüber hinaus sprachen wir auch über Grundstücke und wie man sie für die Projektgruppe, aber auch den Commons-Gedanken sichern könnte.

Silke war für mich eine der profundesten Kennerinnen des Gemeingut-Gedankens und aus diesem Wissen heraus hoch engagiert. Wir haben mit ihr nicht nur eine sympathische, zugewandte Freundin verloren, sondern auch ein Kämpferin für die Sache.

Meine Kolleg*innen und ich waren sprachlos, ungläubig und traurig diese Todesnachricht zu erhalten. Sie wird uns fehlen.

Rolf Novy-Huy, Stiftung trias

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Wir trauern sehr um Silke Helfrich, eine der großen Denkerinnen und Wegbereiterinnen des ‚Commoning‘ in Deutschland. Ihr letztes Buch „Fair, Frei und Lebendig – Die Macht der Commons“ (2019), das sie mit David Bollier zusammen verfasst hat, ist wegweisend für eine zukunftsfähige Art, uns in einer Welt der Gemeingüter aufeinander zu beziehen.

Sie ist am 10.11. 2021 beim Wandern tödlich verunglückt. Sie wird uns fehlen für die große Transformation, die wir zu gestalten haben. Daher widmen wir ihr und ihrem Gedenken die Public-Climate-School Marburg 2021.

Prof. Dr. Susanne Maria Weber, Universität Marburg

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Viele von uns sind von der Idee der Commons auf unserem Weg stark beeinflusst worden. Ohne das Ziel zu haben, Commons-Organisationen gründen zu wollen, haben wir in der letzten Zeit gemerkt, dass CSX-Organisationen Muster des Commoning tief in ihrer DNA verwurzelt haben.  

Silkes Ansatz der Mustersprache wirft bei der Gründung von CSX-Projekten die richtigen Fragen auf. Er hilft, Menschen zu inspirieren und auf den Pfad in eine enkeltaugliche Zukunft zu schicken. Er unterstützt, Organisationen ins Leben zu bringen, die vielfältige Geschichten gemeinschaftsgetragenen Gelingens erzählen. Wir als CSX-Netzwerk schlagen dabei eine Brücke von der Theorie in die Praxis, wobei wir üben “uns in Vielfalt gemeinsam auszurichten”.

Wir sind traurig und bestürzt, dass ihr Wirken und ihre Arbeit mit den Muster-Karten nun erstmal abrupt unterbrochen wird. In diesem Commonsversum wartet noch so viel auf uns, was wir uns gerne mit dir, Silke, erschlossen hätten.

In diesem Sinne wollen wir im Netzwerk und im Austausch mit anderen Akteuren Silkes Arbeit weiterführen und ihre wichtigen Gedanken in unseren Herzen und in unserer Praxis weitertragen.

In tief verbundener Erinnerung,

Wir vom CSX-Netzwerk

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